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Was 99,9 % Verfügbarkeit wirklich erlauben

Jede weitere Neun kostet etwa das Zehnfache. Hier steht, wie viel Ausfall jede erlaubt — und warum die Zahl im SLA selten die entscheidende ist.

„Drei Neunen“ klingt nach nahezu perfekter Verfügbarkeit. Erlaubt sind damit rund 43 Minuten Ausfall pro Monat — lang genug, dass Kunden es bemerken, darüber posten und Tickets aufmachen. Die Rechnung sollte man verinnerlicht haben, bevor man etwas zusagt.

ZielPro TagPro MonatPro Jahr
99 %14 Min. 24 Sek.7 Std. 12 Min.3 T. 15 Std.
99,9 %1 Min. 26 Sek.43 Min. 12 Sek.8 Std. 45 Min.
99,95 %43 Sek.21 Min. 36 Sek.4 Std. 22 Min.
99,99 %8,6 Sek.4 Min. 19 Sek.52 Min. 34 Sek.
99,999 %0,86 Sek.26 Sek.5 Min. 15 Sek.

Die Monatswerte gehen von 30 Tagen aus. Das Muster: Jede zusätzliche Neun zehntelt das erlaubte Ausfallbudget, während der technische Aufwand um deutlich mehr als das Zehnfache steigt.

Vier Neunen sind ein anderes System

52 Minuten Ausfall pro Jahr sind weniger als ein unbedachtes Deployment. Auf diesem Niveau kann man den Dienst nicht für eine Datenbankmigration abschalten, keinen einzelnen Load Balancer betreiben und nicht darauf warten, dass jemand aufwacht und einen Alarm liest. Vier Neunen sind keine schwierigere Variante von drei Neunen — sie sind eine andere Architektur, mit der entsprechenden Bereitschaft und den entsprechenden Kosten.

Die Messung zählt mehr als das Ziel

Eine SLA-Zahl sagt ohne ihre Definition nichts — und genau in der Definition steckt der Streit. Drei Fragen entscheiden, was die Zahl tatsächlich verspricht:

  • Wie oft wird geprüft? Ein Minutenintervall kann einen 45-Sekunden-Ausfall komplett verpassen. Wird per Fünf-Minuten-Abfrage gemessen, taucht ein kurzer Totalausfall womöglich gar nicht in der Zahl auf.
  • Von wo aus? Ein Dienst, der aus Frankfurt erreichbar und aus Singapur unerreichbar ist, gilt je nach Messpunkt als verfügbar oder als ausgefallen. Eine Messung aus nur einer Region schönt die Zahl still und leise.
  • Was gilt als Ausfall? Eine 200-Antwort mit einer Fehlerseite ist für jede naive Prüfung „verfügbar“. Geplante Wartung wird meist ausgenommen — weshalb dieses Fenster erfahrungsgemäß wächst.

Deshalb sollte Verfügbarkeit zeitgewichtet berechnet werden statt als einfaches Verhältnis erfolgreicher Prüfungen. Stellt man einen Monitor von fünf auf eine Minute um, schreibt ein Prüfungs-Verhältnis die Historie still um — eine Gewichtung nach der repräsentierten Zeit nicht.

Eine Zahl wählen, die man halten kann

Für die meiste B2B-Software ist 99,9 % die ehrliche Zusage: erreichbar ohne durchgehende Bereitschaft rund um die Uhr und mit Luft für ein gelegentlich misslungenes Deployment. Sag sie nur zu, wenn du sie auch misst — ein Ziel zu veröffentlichen, das man nicht verfolgt, ist eine Behauptung, keine Verpflichtung. Beim ersten ernsten Ausfall merken Kunden, welche von beidem es war.

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